Online / Remote

Anpassungen für einen Deliberationsprozess, der vollständig digital mit verteilten Teilnehmenden stattfindet.

Betroffene Schritte: 1. Eröffnungszeremonie, 2. Feedback generieren, 3. Feedback interpretieren, 4. Vorschläge entwickeln, 5. Vorschläge präsentieren und Feedback generieren, 6. Perspektiven austauschen, 7. Vorschläge verbessern, 8. Vorschläge präsentieren und Feedback generieren, 9. Vorschläge fertigstellen, 10. Vorschläge für die Abstimmung vorbereiten, 11. Über die Vorschläge abstimmen, 12. Ergebnisse aufbereiten, 13. Ergebnisse präsentieren und feiern, 14. Abschluss und Vorschau, 15. Reflektieren und lernen

Überblick

Eine Deliberation komplett online durchzuführen ist anspruchsvoll, weil ein Teil der Beteiligungstiefe verloren geht. Besonders darunter leiden können Verbundenheit und spontaner Austausch. Dem stehen Vorteile gegenüber: Online erreichst du mehr Menschen, und die Dokumentation entsteht automatisch.

Empfohlener Tool-Stack

  • Videokonferenz: BigBlueButton oder Jitsi (Open Source; Breakout-Räume für die Arbeit in Themen- und Arbeitsgruppen)
  • Digitales Whiteboard: Excalidraw (Open Source; DSGVO-freundliche Alternative: Conceptboard), z. B. für Gallery Walks, Clustering und Templates
  • Kollaborative Dokumente: Etherpad oder CryptPad (Open Source; für die Entwicklung von Vorschlägen)
  • Abstimmung und Umfrage: Particify oder LimeSurvey (Open Source; für Dot Voting und die Schlussabstimmung)
  • Gruppenchat: Signal oder Telegram (zur Abstimmung unter den Moderator*innen)
  • Optional: WorkAdventure (Open Source; räumliches Video für informelle Begegnungen)
  • Bei großen Gruppen und komplexen Themen: Pol.is (Open Source; Meinungsbilder und Konsensfindung auch für viele Menschen)

Anpassungen für die Moderation

  • Mehr Struktur: Online brauchst du klarere Anweisungen, sichtbare Timer und Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf dem Bildschirm.
  • Kürzere Sessions: Plane Arbeitsphasen von höchstens 90 Minuten am Stück, mit ausdrücklichen Pausen.
  • Bewusste Pausen: Baue Pausen mit ausgeschalteter Kamera, Zeiten ohne Programm und zeitversetzte Phasen ein.
  • Breakout-Räume: Moderator*innen brauchen Erfahrung mit digitaler Moderation und mit Breakout-Räumen.
  • Technische Unterstützung: Halte eine eigene Person dafür bereit.
  • Netiquette: Vereinbare zu Beginn Regeln für die digitale Zusammenarbeit (Kamera, Stummschaltung, Handzeichen, Chat).

Was online gewonnen wird

  • Reichweite: Geografische Hürden entfallen, mehr Menschen können teilnehmen.
  • Dokumentation: Digitale Tools dokumentieren automatisch, mit Änderungsprotokollen und aufgezeichneten Sessions.
  • Zeitversetzte Beteiligung: Vor- und Nacharbeit können zeitversetzt stattfinden.
  • Lesbarkeit: Digitale Haftnotizen sind besser lesbar als handschriftliche.
  • Transparenz: Abstimmungen werden automatisch ausgezählt, Änderungen sind nachvollziehbar.

Was online verloren geht

  • Energie im Raum: Körperliche Präsenz und das gemeinsame Raumgefühl fehlen.
  • Flurgespräche: Informeller Austausch und zufällige Begegnungen zwischen den Sessions entstehen nicht von selbst.
  • Gemeinsame Freude: Applaus, Blickkontakt und gemeinsames Feiern fallen weg.

Auswirkungen auf die Gestaltungsprinzipien

  • Raum zum Atmen und Emergenz und Anpassung sind online am stärksten gefährdet. Die Anpassungen oben wirken dem entgegen: kürzere Sessions, bewusste Pausen und räumliche Video-Tools für zwanglose Begegnungen.
  • Feiern (höchstes Risiko): Dieses Prinzip lässt sich online am schwersten bewahren. Plane kreative Rituale ein: gemeinsam 30 Sekunden den Ton einschalten und jubeln, Musik, Konfetti-Animationen auf dem Bildschirm, persönliche Videobotschaften, ein Wort im Chat teilen. Das ist kein optionales Extra.
  • Klarheit in Sprache und Struktur (Vorteil): Online gelingen sie tendenziell besser. Timer, Templates und klare Anweisungen auf dem Bildschirm lassen weniger Raum für Missverständnisse.
  • Schrittweise Entwicklung (gleichwertig): Sie funktioniert online genauso gut, in kollaborativen Dokumenten fällt das Überarbeiten sogar leichter.

Anpassungen pro Schritt

SchrittOnline-MachbarkeitHinweise
1. EröffnungszeremonieTeilweise adaptierbarAm schwierigsten online; Breakout-Paare für Verbundenheit; kürzere Segmente
2. Feedback generierenVoll adaptierbarDigitales Whiteboard mit farbcodierten Haftnotizen
3. Feedback interpretierenVoll adaptierbarBreakout-Räume + Whiteboard für Clustering und Dot Voting
4. Vorschläge entwickelnVoll adaptierbarEtherpad + Breakout-Räume; Rollen zuweisen
5. Vorschläge präsentieren und Feedback generierenVoll adaptierbarWhiteboard-Galerie mit strukturierten Feedback-Zonen
6. Perspektiven austauschenTeilweise adaptierbarBreakout-Raum-Rotationen; weniger zufällige Begegnungen
7. Vorschläge verbessernVoll adaptierbarEtherpad + Breakout-Räume
8. Vorschläge präsentieren und Feedback generierenVoll adaptierbarWie Schritt 5
9. FertigstellenBesser digitalKleine Gruppe in kollaborativen Dokumenten
10. VorbereitenBesser digitalBereits digital; kein Abtippen nötig
11. AbstimmenVoll adaptierbarParticify; automatische Auszählung
12. Ergebnisse aufbereitenBesser digitalDaten bereits digital
13. Ergebnisse feiernTeilweise adaptierbarKreatives Ritualdesign erforderlich
14. AbschlussVoll adaptierbarNormale Präsentation im Plenum
15. Reflektieren und lernenVoll adaptierbarFeedback-Formulare sind ohnehin digital