3. Feedback interpretieren

Intention

Feedback verstehen – ohne Druck, sich zu einigen und Vereinbarungen zu treffen

Gewünschte Ergebnisse
  • Ein gemeinsames Verständnis des Feedbacks
  • Arbeitsgruppen, die für die Teilnehmenden Sinn ergeben
  • Erste Ideen und Fragen für die weiteren Schritte
Methoden
Materialien
Rollen

Moderator*in, Protokollant*in (AG)

Zeit

80 Minuten

Konvergieren ThemengruppeArbeitsgruppe Voll adaptierbar

Überblick

In diesem Schritt widmen sich die Teilnehmenden in kleineren Gruppen dem gesammelten Feedback. Zuerst wird in der Themengruppe (TG) das Feedback aus dem Plenum sortiert und in thematische Cluster geordnet. Dann bilden sich Arbeitsgruppen (AGs), die sich vertiefend mit den priorisierten Themen auseinandersetzen.

Entscheidend ist: Es gibt hier keinen Druck, sich zu einigen. Es geht darum, das Feedback zu verstehen, Muster zu erkennen und erste Ideen zu entwickeln – nicht darum, Lösungen zu finden.

Agenda

Einführung (TG) [10 Minuten]

  • Bitte die Teilnehmenden, sich vorzustellen. Sie können ihren Namen und ihre Pronomen nennen (erkläre Bedeutung und Wichtigkeit), erzählen, woher sie kommen und in welcher Stimmung sie mit der Arbeit beginnen
  • Gib einen Überblick über die Session, indem du die Absicht und die erwünschten Ergebnisse vorstellst
  • Erinnere die Teilnehmenden an die Grundsätze (siehe Eröffnungszeremonie)
  • Beschreibe die einzelnen Schritte dieser Session

Feedback sammeln (TG) [10 Minuten]

  • Präsentiere das Feedback zum Thema der Gruppe aus dem Plenum
  • Nimm Verständnisfragen entgegen

Feedback clustern (TG) [15 Minuten]

  • Ordne das Feedback in thematische Cluster
  • Bitte die Teilnehmenden, die Cluster via Dot Voting zu priorisieren

Arbeitsgruppen bilden (TG) [5 Minuten]

  • Bilde Arbeitsgruppen (idealerweise mit jeweils 4–7 Mitgliedern) für die Cluster mit den meisten Stimmen
  • Stell den Gruppen Materialien zur Verfügung (Poster-Template, Haftnotizen, Filzstifte)
  • Lass die Gruppen je eine*n Protokollant*in aus ihrer Mitte wählen

Feedback diskutieren (AG) [25 Minuten]

  • Lass die Arbeitsgruppen das Feedback, ihre Gedanken und Vorschläge diskutieren
  • Bitte die Protokollant*innen, aufkommende Ideen oder Fragen auf Flipchart-Papier festzuhalten
  • Bitte die Arbeitsgruppe, sich einen Namen für ihre Gruppe auszudenken, damit ihre Poster nicht verwechselt werden und die Ergebnisse in den verschiedenen Phasen des Prozesses leichter dokumentiert werden können

Ideen priorisieren (AG) [5 Minuten]

  • Lass die Arbeitsgruppen über die wichtigsten notierten Ideen via Dot Voting abstimmen

Ergebnisse teilen (TG) [10 Minuten]

  • Bitte die Arbeitsgruppen, einen kurzen Bericht über ihre Ergebnisse zu geben
  • Keine Diskussion! – Das ist wichtig, um im Zeitrahmen zu bleiben

Durchführung

  • Vorstellungsrunde nicht überspringen: Die Themengruppen kommen in dieser Session zum ersten Mal zusammen. Die Vorstellungsrunde zu Beginn ist die erste Möglichkeit, miteinander eine Arbeitsbeziehung aufzubauen. Das ist keine Zeitverschwendung, sondern eine Investition.
  • Feedback physisch zugänglich machen: Bringe die Pinnwände mit dem Feedback aus dem Plenum in die Gruppenarbeitsräume. Die Teilnehmenden sollten die Original-Haftnotizen sehen und anfassen können.
  • Clustering aktiv moderieren: Hilf der Gruppe beim Clustern, indem du Vorschläge machst und nachfragst. Achte darauf, dass nicht eine Person allein die Cluster bestimmt.
  • AG-Größe beachten: Idealerweise 4–7 Mitglieder pro AG. Zu kleine Gruppen bieten zu wenige Perspektiven, zu große sind schwer zu moderieren.
  • Aufmerksamkeit verteilen: Als Moderator*in leitest du die Session auf TG-Ebene. Wenn sich die Gruppe splittet, verteilst du deine Aufmerksamkeit auf die AGs. Schau regelmäßig bei allen AGs vorbei.
  • Gruppennamen: Die Bitte, sich einen Gruppennamen auszudenken, hat einen praktischen und einen sozialen Zweck – es erleichtert die Dokumentation und stärkt die Gruppenidentität.

Rollen

  • Moderator*in: Leitet die Session auf TG-Ebene und verteilt seine*ihre Aufmerksamkeit auf die AGs, wenn sich die Gruppe aufteilt. Achtet auf Zeitmanagement und stellt sicher, dass alle Stimmen gehört werden.
  • Protokollant*in (AG): Sobald die AGs gebildet sind, wird unter den Mitgliedern jeder AG ein*e Protokollant*in gewählt. Die benannte Person notiert alle aufkommenden Ideen oder Fragen auf Flipchart-Papier.

Online-Anpassung

Dieser Schritt ist vollständig online adaptierbar:

  • TG/AG-Struktur: Nutze digitale Breakout-Räume, um die Struktur von Themengruppen und Arbeitsgruppen abzubilden. Die TG ist der Hauptraum, die AGs werden als Breakout-Räume eingerichtet.
  • Clustering und Dot Voting: Digitale Whiteboards wie Excalidraw eignen sich für das Clustering (Drag & Drop von Haftnotizen); für das Dot Voting bietet sich Particify an. Das funktioniert digital sogar effizienter als physisch.
  • Diskussionsnotizen: Nutze Etherpad oder ähnliche Tools für die AG-Diskussionsnotizen, sodass alle gleichzeitig sehen können, was notiert wird.
  • Stille Reflexion einbauen: Beginne mit einer Phase stiller Solo-Reflexion (Brainwriting), bevor die gemeinsame Diskussion startet. Das reduziert Gruppendenken und gibt auch Introvertierten Raum.
  • Tipp: Bereite die digitalen Boards vorab mit den Feedback-Haftnotizen aus Schritt 2 vor, sodass die Gruppen direkt mit dem Clustern beginnen können.

Ohne Ausgangsentwurf

Wenn ihr ohne bestehenden Entwurf arbeitet, wird dieser Schritt schöpferischer:

  • Das Clustering kann Themen hervorbringen, die bestimmend für den Rest des Prozesses werden
  • Statt Feedback zu einem bekannten Vorschlag zu interpretieren, identifizieren die Teilnehmenden das Feld der Anliegen und Intentionen
  • Die Arbeitsgruppen bilden sich um die entstehenden Themen, nicht um vordefinierte Aspekte eines Entwurfs
  • Der Schritt wird erkundender: „Was sind die wichtigsten Themen, die wir adressieren müssen?“ statt: „Was sagt das Feedback zum bestehenden Entwurf?“

Fallstudie: WMS24

Auf dem WMS24 sammelten die Teilnehmenden beim ersten Gallery Walk Feedback zur Movement-Charta. Es diente als Input für diese Session.

Auf Pinnwänden brachten wir das Feedback in Gruppenarbeitsräume, wo es von den einzelnen Themengruppen gebündelt und dann in kleineren, selbstorganisierten Arbeitsgruppen diskutiert wurde.

Für die Themengruppen war das der erste gemeinsame Termin – die erste Chance, eine Arbeitsbeziehung aufzubauen. Die Vorstellungsrunde zu Beginn half dabei.