Gestaltungsprinzipien

Die folgenden zwölf Prinzipien fassen zusammen, was wir bei der Gestaltung und Durchführung des Deliberationsprozesses gelernt haben. Sie bilden das Fundament für den Erfolg jeder vergleichbaren Veranstaltung.

1. Klares Ziel und klarer Rahmen

Lege zu Beginn mit den Verantwortlichen ausdrücklich das Ziel und die gewünschten Ergebnisse fest. Kläre gleichzeitig mögliche Beschränkungen: Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Welches Vorwissen haben die Teilnehmenden? Gibt es Kommunikationsbarrieren? Teile Ziel und Rahmenbedingungen so früh wie möglich mit allen Beteiligten.


2. Teilnehmende und Stakeholder verstehen

Finde heraus, wie deine Teilnehmenden ticken: Was ist wichtig für sie, welche Bedürfnisse und Stärken haben sie? Nimm frühzeitig Kontakt zu den wichtigsten Stakeholdern auf, um deren Sichtweisen und Bedenken zu verstehen. Das schafft Vertrauen und verbessert die Qualität des gesamten Prozesses.


3. Klarheit in Sprache und Struktur

Erkläre jederzeit klar, wie und warum der Prozess funktioniert. Verwende präzise Begriffe, die genau das meinen, was sie sagen – wird z. B. Feedback gegeben, nenne es auch Feedback. Euphemismen verdecken darunter liegende Probleme, statt sie zu lösen.


4. Klare Rollen und Regeln

Lege vor der Veranstaltung klare Rollen für alle Beteiligten fest und hole deren Zustimmung ein. Definiere Regeln, die zu starken Einfluss Einzelner verhindern – begrenze z. B. die Teilnahme bestimmter Stakeholdergruppen in Arbeitsgruppen. Die Beteiligten werden es zu schätzen wissen, wenn sie Klarheit über ihren möglichen Beitrag zum Prozess haben.


5. Bewusstes Framing

Gib dem Prozess einen Rahmen, der eine produktive Atmosphäre schafft und Risiken minimiert. Weise den Teilnehmenden die Richtung, lass sie den Prozess entlang der Leitlinien aber selbst entdecken. Überfordere sie nicht, sondern ermutige stattdessen das gewünschte Verhalten und gib Bestätigung, wo sie gebraucht wird.


6. Vertrauen und Loslassen

Investiere genügend Zeit in den Aufbau von Beziehungen und Vertrauen – im Kernteam wie mit den Teilnehmenden. Hilf den Teilnehmenden, eigene Ideen loszulassen. Sie sollen darauf vertrauen, dass das Kollektiv sie weiterentwickelt. Vereinbart früh, wie ihr Spannungen untereinander ansprecht.


7. Divergenz und Konvergenz

Unterscheide klar zwischen dem breiten Sammeln von Input (Divergenz) und dem Zuspitzen und Entscheiden (Konvergenz), um den Prozess in Bewegung zu halten. Der systematische Wechsel zwischen diesen Modi – z. B. Gallery Walks zum Sammeln, Gruppenarbeit zum Konvergieren – ist der Motor des Prozesses.


8. Schrittweise Entwicklung

Mach deutlich, dass Zwischenergebnisse noch nicht perfekt sein müssen, sondern weiter verbessert werden. Die dreifache Schleife aus Entwickeln, Präsentieren und Verbessern ist der Kern des iterativen Ansatzes: „Gut genug ist perfekt!“


9. Emergenz und Anpassung

Mache den Prozess anpassbar und sei offen für Neues. Es wird immer anders laufen als erwartet – und das ist in Ordnung. Eigenverantwortliche Moderator*innen können vor Ort Anpassungen vornehmen. Anpassungen zuzulassen oder sogar zu ermutigen, verbessert die Erfahrungen der Teilnehmenden und die Qualität der Ergebnisse.


10. Erfahrene Moderation

Arbeite mit qualifizierten Moderator*innen, die Gruppen auf Kurs halten, bei der Arbeit unterstützen, bei Bedarf lenken – und dabei inhaltlich neutral bleiben. Das ist keine Aufgabe, die Teilnehmende selbst übernehmen können. Eine erfahrene Moderation sorgt für Kapazitäten, Resilienz und Anpassungsfähigkeit.


11. Raum zum Atmen

Schaffe genügend Raum für Diskussionen und Vertiefung, damit sich die Teilnehmenden nicht gedrängt fühlen. Plane Pausen zwischen den Sessions ein. Produktive Deliberation braucht Zeit – besonders online, wo die Konzentration am Bildschirm schneller nachlässt.


12. Feiern

Richte den Fokus nicht nur auf Kritik und Verbesserungen, sondern auch auf das bereits Erreichte. Ob bei der Anerkennung im Feedback oder bei der Ergebnispräsentation: Feiern ist kein optionaler Bonus, sondern ein Grundprinzip. Es stärkt die gemeinsame Energie und den Zusammenhalt.