Hybrid (Vor Ort + Remote)

Anpassungen für die gleichzeitige Einbindung von Teilnehmenden vor Ort und online – die anspruchsvollste Variante.

Betroffene Schritte: 1. Eröffnungszeremonie, 2. Feedback generieren, 3. Feedback interpretieren, 4. Vorschläge entwickeln, 5. Vorschläge präsentieren und Feedback generieren, 6. Perspektiven austauschen, 7. Vorschläge verbessern, 8. Vorschläge präsentieren und Feedback generieren, 9. Vorschläge fertigstellen, 10. Vorschläge für die Abstimmung vorbereiten, 11. Über die Vorschläge abstimmen, 12. Ergebnisse aufbereiten, 13. Ergebnisse präsentieren und feiern, 14. Abschluss und Vorschau, 15. Reflektieren und lernen

Überblick

Hybrid heißt: Ein Teil der Teilnehmenden kommt vor Ort zusammen, andere sind online dabei. Das kann gleichzeitig in denselben Sessions passieren oder zeitversetzt in eigenen Arbeitsphasen. Beides gilt hier als hybrid.

Hybrid ist die anspruchsvollste Variante für Deliberationsprozesse. Die größte Gefahr: Online-Teilnehmende werden zu Teilnehmenden zweiter Klasse. Plane und gestalte bewusst, um das zu vermeiden.

Warum Hybrid so schwierig ist

  • Zwei sehr unterschiedliche Teilnahme-Erfahrungen müssen gleichzeitig funktionieren.
  • Die Dynamik vor Ort dominiert fast automatisch.
  • Der technische Aufwand verdoppelt sich.
  • Der Moderationsaufwand steigt deutlich.
  • Informelle Begegnungen zwischen beiden Gruppen entstehen kaum von selbst.

Fünf mögliche Modelle

1. Remote-First

Alle arbeiten mit denselben digitalen Tools, auch die Teilnehmenden vor Ort. Der Raum wird zum „gemeinsamen Büro“, die eigentliche Arbeit läuft aber auf digitalen Plattformen. Vorteil: Alle haben dieselbe Erfahrung. Nachteil: Die Stärken der persönlichen Begegnung bleiben ungenutzt.

2. Getrennte Tracks

Teilnehmende vor Ort und online arbeiten in getrennten Gruppen (z. B. eigene Themengruppen), aber zu denselben Themen. An festen Punkten werden die Ergebnisse zusammengeführt, z. B. bei den Gallery Walks. Vorteil: Jede Gruppe erlebt den Prozess stimmig. Nachteil: Es gibt weniger direkten Austausch.

3. Asynchron-lastig mit synchronen Berührungspunkten

Der Großteil der Arbeit läuft zeitversetzt (asynchron) auf digitalen Plattformen. Gemeinsame Sessions (synchron, vor Ort und online) dienen als Meilensteine. Vorteil: Die Beteiligung ist flexibel. Nachteil: Es entsteht weniger gemeinsame Energie. Wie sich das konkret umsetzen lässt, steht im Abschnitt Asynchrone Elemente einbinden.

4. Buddy-Paare

Jede Person, die online teilnimmt, bekommt eine Person vor Ort an die Seite. Sie ist die Fürsprecherin oder der Fürsprecher der Online-Perspektive und sorgt dafür, dass sie im Raum gehört wird. Vorteil: Jemand fühlt sich persönlich für die Einbindung verantwortlich. Nachteil: Der Koordinationsaufwand ist hoch.

5. Wechselspiel: Breite und Tiefe

Online werden Meinungen und Feedback in der Breite eingeholt, vor Ort werden sie diskutiert und weiterentwickelt. Danach gehen die Ergebnisse zurück an die Online-Teilnehmenden, die sie weiterbearbeiten. Beide Gruppen übernehmen dabei bewusst unterschiedliche Aufgaben. Vorteil: Die Beteiligung ist breit und tief. Nachteil: Die Übergaben zwischen den Phasen müssen sorgfältig vorbereitet sein.

Unsere Empfehlung

Vermeide gemischte Breakout-Räume. Setze stattdessen auf getrennte, aber verbundene Tracks. Die Online-Teilnehmenden arbeiten in eigenen Themen- und Arbeitsgruppen mit digitalen Tools, die Teilnehmenden vor Ort arbeiten physisch. Die Ergebnisse kommen bei den Gallery Walks und beim Zusammenführen der Vorschläge zusammen. Alternativ können beide Gruppen unterschiedliche Aufgaben übernehmen (siehe Modell 5).

Zentrales Risiko

Online-Teilnehmende dürfen nicht zu Teilnehmenden zweiter Klasse werden. Prüfe bei jedem Schritt: Haben sie denselben Zugang zu Informationen, dieselben Möglichkeiten mitzuwirken und eine gleichwertige Erfahrung?

Asynchrone Elemente einbinden

Hybride Prozesse müssen nicht komplett gleichzeitig ablaufen. Du kannst sie auch über zwei bis drei Wochen strecken, mit drei bis vier gemeinsamen Sessions und asynchronen Arbeitsphasen dazwischen. So lassen sich unterschiedliche Gruppen auf unterschiedlichen Wegen beteiligen: Wer die gemeinsamen Sessions nicht besuchen kann, trägt in den asynchronen Phasen bei.

Ein bewährter Rhythmus:

  • Gemeinsame Meilensteine (je 2–3h): Eröffnungszeremonie (Schritt 1), Feedback interpretieren (Schritt 3), Perspektiven austauschen (Schritt 6), Abstimmung und Feier (Schritte 11, 13, 14) – hier entsteht die kollektive Energie
  • Asynchrone Phasen dazwischen (je 1–3 Tage): Feedback generieren (Schritt 2), Vorschläge entwickeln und verbessern (Schritte 4, 7), Feedback auf Vorschläge (Schritte 5, 8), Finalisierung (Schritte 9, 10) – hier haben Teilnehmende Zeit für Reflexion im eigenen Tempo

Worauf du dabei achten solltest:

  • Setze klare Fristen für asynchrone Phasen und erinnere aktiv daran
  • Benenne Moderator*innen, die die Diskussionen in diesen Phasen begleiten
  • Verschicke regelmäßig Zusammenfassungen per E-Mail oder Chat, damit niemand den Anschluss verliert
  • Stelle sicher, dass alle Teilnehmenden Zugang zu den digitalen Plattformen haben

Empfohlene Plattformen

  • Loomio: Für Deliberations-Threads und asynchrone Diskussionen (Open Source)
  • Etherpad: Für kollaboratives Schreiben von Vorschlägen (Open Source)
  • Excalidraw: Für visuelles Feedback und Clustering (Open Source; Alternative: Conceptboard, DSGVO-konform)
  • Particify: Für Abstimmungen und Umfragen (Open Source)
  • BigBlueButton oder Jitsi: Für synchrone Sessions (Open Source)

Zusätzliche Ressourcen

  • Dedizierter Tech-Support für Online-Teilnehmende
  • Remote-Advocate-Rolle einplanen
  • Doppelte Moderation: je eine Person vor Ort und online, zusätzlich eine Person für die Moderation des Chats
  • Zusätzliche Kameras und Mikrofone in den Räumen
  • Digitale Dokumentation aller physischen Ergebnisse (Fotos der Poster, Abschriften)