Überblick
Der Standardprozess im Playbook setzt einen bestehenden Entwurf voraus. Die Teilnehmenden geben dazu Feedback und entwickeln Verbesserungsvorschläge. Nicht jeder Deliberationsprozess beginnt aber mit einem solchen Entwurf.
Arbeitest du ohne Ausgangsentwurf, rückt die Anfangsphase in den Mittelpunkt: Perspektiven sammeln und Themen finden. Die Teilnehmenden entwickeln Vorschläge von Grund auf, statt einen bestehenden Entwurf zu verbessern.
Was sich ändert
Schritt 1 – Eröffnungszeremonie
Das Framing ändert sich. Statt „Hier ist der Entwurf, den wir gemeinsam verbessern wollen“ heißt es jetzt: „Hier ist die Frage, um die wir uns versammeln.“ Keynote und Beiträge der Stakeholder beschreiben das Problemfeld, statt einen Entwurf vorzustellen.
Schritt 2 – Perspektiven sammeln (statt Feedback generieren)
Benenne diesen Schritt in „Perspektiven sammeln“ um. Statt Postern mit dem Entwurf nutzt du offene Leitfragen oder Themenrahmen. Die Feedback-Kategorien „Anerkennung / Verbesserungen / Dealbreaker / Weitergehende Ideen“ werden durch offenere ersetzt:
- Hoffnungen: Was wünschst du dir?
- Bedenken: Was macht dir Sorgen?
- Ideen: Welche konkreten Vorschläge hast du?
- Fragen: Was müssen wir noch klären?
Schritt 3 – Themen identifizieren (statt Feedback interpretieren)
Beim Clustering können sich Themen herausbilden, die im weiteren Prozess zu den „Themen“ der Themengruppen werden. Der Schritt ändert damit seinen Charakter: Die Teilnehmenden ordnen nicht Feedback zu einem bekannten Entwurf, sondern finden heraus, welche Anliegen und Wünsche es überhaupt gibt.
Die Themen stehen möglicherweise erst während der Session fest und nicht schon vorher. Das verlangt mehr Flexibilität und größere Zeitfenster.
Schritt 4 – Vorschläge von Grund auf entwickeln
Das ist jetzt der wichtigste Schritt, in dem Neues entsteht. Die Arbeitsgruppen entwickeln Vorschläge zu den Themen aus Schritt 3, statt Aspekte eines bestehenden Entwurfs zu verfeinern. Die Templates müssen dafür angepasst werden, damit sie Vorschläge aufnehmen, die bei null beginnen:
- Was ist das Problem?
- Was schlagen wir vor?
- Warum ist das wichtig?
Poster-Template anpassen
Passe die Kategorien des Poster-Templates an. Statt „Anerkennung / Verbesserungen / Dealbreaker / Weitergehende Ideen“ nutzt du „Hoffnungen / Bedenken / Ideen / Fragen“ oder „Stärken / Lücken / Vorschläge / Offene Fragen“.
Auswirkungen auf den Zeitplan
Die Anfangsphase braucht mehr Zeit. Plane für die Schritte 2 bis 4 mindestens 30–50 % mehr ein. Die Teilnehmenden können nicht auf einem bestehenden Entwurf aufbauen, sondern müssen Ideen erst entwickeln.
Schritte, die unverändert bleiben
Die Schritte 5 bis 15 laufen im Wesentlichen wie gewohnt, sobald die Vorschläge vorliegen. Der Perspektivenaustausch (Schritt 6) ist hier sogar besonders wertvoll, weil die Ideen erst im Prozess entstehen.
Digitale Umsetzung
Ohne Ausgangsentwurf lässt sich die Anfangsphase gut digital unterstützen:
- Perspektiven digital sammeln (Schritt 2): Mit einer Online-Umfrage oder einem digitalen Whiteboard (z. B. Excalidraw) sammelst du Hoffnungen, Bedenken und Ideen schon vor der Veranstaltung. So startet die Gruppe mit viel Ausgangsmaterial.
- Themen digital finden (Schritt 3): Das Clustering der gesammelten Perspektiven klappt auf einem digitalen Whiteboard besonders gut, weil sich Beiträge ohne Verlust verschieben und gruppieren lassen.
- Bei großen Gruppen: Tools wie Pol.is zeigen, wo sich neue Themen und überraschende Übereinstimmungen abzeichnen. Das ist eine gute Grundlage für die Themenwahl.
- Vorschläge digital entwickeln (Schritt 4): In kollaborativen Dokumenten (Etherpad, CryptPad) lassen sich Vorschläge gemeinsam von Grund auf schreiben.